Knapp 2 Monate ist es jetzt her, dass die Otway Complex Fires als „under controll“ deklariert wurden und wir in unsere Häuer zurückkehren konnten, vorausgesetzt, sie waren noch da. Die ersten zwei Wochen waren recht stressig, denn immer wieder loderten kleine Feuer auf, die Feuerwehr musste immer wieder ausrücken, die Helicopter waren immer noch im Einsatz und flogen täglich in 10 Meter Höhe über das Haus. Außerdem piepte die Vic/emergency-App ständig und jedesmal guckte man drauf und dachte: „Bitte nicht wieder hier in meiner Straße“. Aber es wurde im Verlauf der Zeit immer weniger und jetzt ist die Fire Season vorbei. Rückblickend das schlimmste und größte Feuer in den Otways in den letzten 40 Jahren und hoffentlich auch für die nächsten 40 Jahre, aber das hier ist Australien und da gehören Busch- und Grasfeuer zum Leben ebenso dazu wie Koalas und Tigersnakes. Was mich besonders beeindruckt hat, war der Zusammenhalt der Community und das schnell und unbürokratrische Bearbeiten der entstandenen Schäden. Auf keinem Grundstück sind ca. 2500 qm verbrannt, es sind Zäune eingerissen worden und Bulldozer haben Schneisen in den Wald gefräst, um die Ausbreitung der Feuer zu verhindern. Im ersten Moment sieht das natürlich verheerend aus.
Aber die Australier sind anders als die Deutschen. Keine zwei Wochen nach Ende der Feuer stehen Mitarbeiter des Forrest Fire Departements vor der Tür und besprechen mit jedem einzelnem Anwohner die Restaurierungsmaßnahmen. Zwei Tage später rücken sie dann mit riesigen Maschinen an und reparieren den angerichteten Schaden so, wie sie es mit den Eigentümern besprochen haben, kostenlos. Ich möchte mir den Papierkram, die Behördengänge und den Zeitrahmen gar nicht vorstellen, den die gleiche Aktion in Deutschland gekostete hätte, wenn denn überhaupt etwas passiert wäre und wenn, garantiert nicht kostenfrei. Und vor allem: Alle sind sagenhaft freundlich und hilfsbereit.
Chandu und ich haben im Laufe der Zeit ca. 10 verschiedene Tracks gefunden, auf denen wir unsere Spaziergänge machen, auf einigen kann er ohne Leine laufen, auf anderen nicht. Von diesen 10 Wegen waren mindestens 7 nach den Feuer ganz oder teilweise gesperrt und wurden erst nach und nach wieder geöffnet. Letzte Wochen waren wir zum ersten Mal seit ca. einem halben Jahr wieder auf einem von unseren Lieblingswegen, dem Bunker Hill Track zwischen Gellibrand und Carlisle River. Es ist traumhaft schön dort, Chandu kann ohne Leine rumflitzen und man trifft so gut wie nie einen Menschen tief im Busch. Letzte Woche war ich komplett erschüttert, denn dort ist nichts mehr, es sieht aus wie nach Hiroshima. Alle Bäume sind verbrannt, aber zumindest im Unterholz wachsen nach den ersten Regenfällen die Farne wieder und die Tiere kehren langsam zurück. Bis es dort allerding wieder so sein wir, wie es einmal war, werden Jahre vergehen