Um ehrlich zu sein, fällt es mir schwer, über all das zu schreiben, denn die Folgen dessen, was in den letzten 2 Wochen hier passiert ist, sind herzzerreißend. Wir haben durch die großen Feuer in Carlisle River und Gellibrand große Teile des atemberaubenden Otway National Parks verloren, mehr als 20 Häuser wurden zerstört, obwohl die (freiwilligen) Feuerwehren aus allen Teilen Victorias Tag und Nacht versucht haben, zu retten, was zu retten war. Tausende von Helicopter-Einsätze, Helfer sogar aus Canada, die sich den Flammen in den Weg gestellt haben. Hier auf meinem Grundstück sind ca. 3000 qm verbrannt oder von Bulldozern planiert worden, der Zaun zu meinen Nachbarn ist eingerissen worden, wird aber repariert. Am schlimmsten hat es meine Nachbarn Geoff und Helen getroffen, bei ihnen sind mehr als 20 Hektar verbrannt, es ist ein absolutes Wunder, dass das Haus noch steht. By thy way, wenn man Bilder von den Feuern hier aus unserer Straße sieht, ist es wirklich ein Wunder, dass hier bei uns niemand sein Haus verloren hat.
Dabei sah es zuerst so aus, als hätten wir relativ früh das Schlimmste überstanden, nach einer Nacht im Auto in Colac konnten wir zurückkehren, aber leider ging es danach erst richtig los. Einmal duschen, einmal kurz frühstücken, dann kam die nächste Aufforderung über die App vic/emergency, so schnell wie möglich zu evakuieren, auf dem Weg zurück nach Colac und auch im 20 km entfernten Colac konnte man die riesigen Russwolken sehen, was dann folgte waren weitere 3 Nächte auf dem Vordersitz meines Volvos. Eigentlich war es tatsächlich erträglich, aber der schlimmste Tag hatte rekordverdächtigte 46 Grad, selbst im Schatten konnte man den Wagen nicht unter 34 bekommen. Der arme Chandu hat all das klaglos mitgemacht, ich bin sowas von stolz auf meinen großen Jungen. Aber – wir haben es überstanden, jedenfalls vorherst und die Natur wird zurückkehren. Gestern haben ich hier bei mir die ersten Kookaburras gehört, heute Nacht hat mein Koala Luciano gebrüllt, gestern hüpften die ersten Wallabies über Grundstück und im nächsten Jahr wird, bis auf die schwarzen Gumtrees alles wieder grün sein, aber der Schreck ist da und er wird noch eine zeitlang bleiben.
Das Bemerkenswerte ist bei aller Katastrophe wieder einmal das australische Zusammengehörigkeitsgefühl, jeder hilft jedem. Soviel sympathischen support wie in den letzten 2 Wochen habe ich in Deutschland in 57 Jahren nicht erfahren.
Wer sich ein Bild von dem Desaster machen möchte, schaue bitte in die Galerie
Hallo Uli,
Mensch dass tut mir ja so Leid was hier Mensch, Tier und der Natur abverlangt wird.
Schön zu hören, dass alle zusammen stehen und sich gegenseitig helfen.
Du hast Recht. Sowas kennt man aus Deutschland nicht.
Euch alles Gute, Uwe
Danke, lieber Uwe
Wahnsinn. Hat was apokalyptisches. Wenn ich es richtig verstehe ist auch ein großer Baumbestand auf deinem Grundstück verbrannt, oder von den Bulldozzern weggeräumt worden, quasi deine Wärme auf Vorrat für die Winterzeiten. Reichen die Baum-Restbestände noch? Und: sind auch deine bereits fertig gespaltenen Brennholzstapel jetzt weggekokelt? Beste Grüße Joh.
Reichen die Baumbestände? Nun ja, ich habe einige Hundert Bäume auf meinem Grundstück und von den 24.000 qm sind „nur“ ca. 2.500 ym planiert worden, es hält sich also in Grenzen. Für den nächsten Winter hatte ich noch nicht gehackt, das geht jetzt demnächst los.