Die Tatsache,dass der australische Busch nichts für Schattenparker ist, sollte inzwischen bekannt sein, aber im Grunde ist es ungefährlich, wenn man weiß, was man tut. Diesmal allerdings hat es uns hier unten in den Otways richtig erwischt und das in doppelter Hinsicht. Es begann einigermaßen harmlos mit einem Tag, an dem wir Temperaturen bis zu 39 Grad hatten. Nun, dies ist Australien und wir haben Sommer, also im Prinzip nichts Außergewöhnliches, zumal es an dem Tag bewölkt war und die 39 Grad sich eher wie 24 anfühlten, ich habe nicht einmal meine Klimaanlage angestellt,es war absolut erträglich. Abends aber kamen die Gewitter und Gewitter sind im australischen Busch etwas anderes als im bevölkerten Deutschland. Da es zuvor wochenlang trocken gewesen war, haben die zahlreichen Blitzeinschläge natürlich auf der Stelle zu diversen Bränden geführt, was aber eigentlich immer noch kein Problem ist, denn die australischen Firies sind, obwohl es alles Freiwillige sind, höchst professionell und können gut damit umgehen. Diesmal jedoch hatten wir im Norden Victorias diverse großflächlige Grasbrände, über die auch in den deutschen Medien berichtet wurde. Dies hatte zur Folge, dass nahezu sämtliche Lösch-Helicopter im Norden im Einsatz waren und uns hier unten nicht unterstützen konnten. Außerdem kam am nächsten Tag noch ein heftiger Wind dazu.
Wenn man in Australien auf dem Land lebt, muss man zwingend die App Vic/emergency auf dem Handy haben, hier wird man in Echtzeit informiert und gewarnt und, wie in unserem Fall am nächsten Tag, zur Evakuierung aufgefordert. Also alle relevanten Sachen plus Hund ins Auto, bei den Nachbarn vobeigucken und gegenseitig informieren und dann auf den Weg nach Colac machen, immer mit dem Bewußtsein, dass es vielleicht das letzte Mal war, dass man sein Haus gesehen hat. Die Großfeuer aus Carlisle River (das ist dort, wo Klein-Tilly aufgewachsen ist), kamen immer näher in unsere Richtung und Vic/emergency berichtete: Feuer außer Kontrolle. Da wir auch bis zum Abend keine Entwarnung bekommen hatten, mussten Chandu und ich eine Nacht im Auto verbringen, das ist nur halb so witzig, wenn es am nächsten Morgen lediglich 9 Grad hat und man friert wie ein Schneider. Also haben ich mich um kurz nach 6 Uhr auf eigene Gefahr zurück nach Hause gemacht und inzwischen sind die Feuer allesamt unter Kontrolle. Gestern aber nun kam die zweite Welle, ich bekam über die erwähnte App den Hinweis auf ein gefährliches Unwetter, welches sich vom Meer in unsere Richtung bewegen sollte. Ich bin an dem Tag nach Colac gefahren, um mein repariertes Notbook abzuholen und ich konnte aus Richtung Süden eine schwarze (nicht graue) Wolkenfront erkennen.
Auf dem Weg zurück nach Haus fing es dann an zu regnen, aber es war kein großes Problem, zumindest nicht bei uns. Die Leute in Lorne und Wye River, unten an der Great Ocean Road hatten weniger Glück, dort traf das Unwetter auf Land und es regnete dermaßen sintflutartig, dass verschiedene Flüsse über die Ufer traten, Campingplätze in Minuten überflutet und einige Autos ins Meer gespült wurden. Über mögliche Opfer ist bisher nichts bekannt, aber die Great Ocean Road ist ab Lorne komplett gesperrt und das mitten in der Touristen-Saison. Wenn man sich vorstellt, dass jährlich zwischen 6,5 Mio. und 7,5 Mio. Touristen die GOR besuchen und diese Straße nun in der Hochsaison möglicherweise für Wochen gesperrt ist, kann man sich ausmalen, was das für Menschen bedeutet, die vom Tourismus abhängig sind. Also hatten wir auf der einen Seite eine Feuer-Katastrophe, auf der anderen Seite eine Flutkatastrophe und ich befinde mich genau in der Mitte. Und es ist erst die Hälfte des Sommers vorbei…
Ich liebe Australien