Ich habe nun vorgestern zum ersten Mal den zweiten Teil von „The Dry“ gesehen, der im Wesentlichen unter dem Titel „Force of Nature“ bekannt ist. Unabhängig davon, dass Eric Bana als gebürtiger Melbourner schon lange einer meiner Lieblingsschauspieler ist (bekannt aus Troja, München, Hulk, Black Hawk Down, Star Trek, Erlöse uns von dem Bösen etc.), besteht der besondere Reiz für mich natürlich darin, dass dieser wirklich sehr gute Film neben den Dandenong Ranges eben auch in den Otway Ranges gedreht wurde, also in dem Great Otway Nationalpark, in dem ich lebe und zwar mittendrin. Bevor ich den Film gesehen habe, war ich gespannt, wie man die Atmosphäre aus dieser unvergleichlichen Gegend einfangen kann und ich kann sagen, dass es wirklich sehr gut gelungen ist. Hinzu kommt, dass der Film im viktorianschen Winter spielt, also genau zu der Zeit die wir gerade haben und dieses Dunkle und Mystische kommt exzellent rüber. Eric Bana sagte selbst nach dem Film, dass man auf keinen Fall wollte, dass eventuelle Touristen möglicherweise Angst vor dieser Ecke haben sollte, aber es wäre vielleicht wirklich besser, nicht im Winter anzureisen.
Nachdem ich den Film angeschaut habe (auf DVD natürlich) habe ich einfach aus meinem Wohnzimmerfenster geblickt und ich sah hier auf meinem Grundstück exakt das, was man auch im Film sieht, sie hätten das Ding auch bei mir im Garten drehen können. Wie gesagt, ich kann den Film wärmstens empfehlen, er zeigt vor allem wieder einmal die fehlerhafte Einstellung bzw. Meinung vieler Nicht-Australier über die Menschen auf diesem Kontinent. Australien hat ca. 27 Millionen Einwohner, von denen ca. 17 Millionen in den Städten Melbourne, Sydney, Perth, Adelaide, Canberra, Brisbane und Gold Coast leben, die restlichen 10 Millionen verteilen sich auf ein Gebiet, das größer ist als Europa oder die USA (zum Vergleich: Der Großraum Los Angeles hat allein 13,2 Mio. Einwohner). Viele Nicht-Australier denken nun, dass der durchschnittliche Aussie jeden Tag mit Kängurus, Trichternetzspinnen, Salzwasser-Krokodilen und Eastern Brown Snakes konfrontiert ist, die Wahrheit ist allerdings, dass die meisten Australier noch nie eine Schlange gesehen haben und Kängurus sind für Menschen aus Sydney und Melbourne auch extrem selten und einigermaßen exotisch.
Für mich gehören viele dieser Tiere glücklicherweise zum Altag, ich sehe jeden Tag Wallabies, oft Känguruhs, ich habe meinen eigenen Koala (Luciano) im Garten, viele Stadtaustralier haben noch nie einen Koala in freier Wildbahn gesehen. Natürlich sehe ich auch Schlangen, in der letzten Saison kam ich auf 16 Sichtungen. Für mich selbst sind die Schlangen keine Problem, ich lasse sie ihrer Wege schlängeln, sie wollen nichts von mir, aber wegen Chandu muss ich aufpassen. Neulich war ich in der nächsten größeren Ortschaft zum Einkaufen (Colac hat ca. 14.000 Einwohner) und hörte, wie begeistert sich Einheimische freuten, weil sie einen Kookaburra gesehen und gehört haben, ich habe von den Vögeln zig Exemplare im Garten und ich freue mich jedes Mal, wenn ich sie lachen höre. Zusammenfassend könnte man sagen, dass ich wahrscheinlich das Leben führe, von dem viele Nicht-Australier glauben, es sei typisch australisch, aber das ist es nicht.
Guckt euch den Film an, es lohnt sich.
https://en.wikipedia.org/wiki/Force_of_Nature:_The_Dry_2