Eines lernt man relativ schnell, wenn man wie ich mitten im Busch ohne direkte Nachbarn lebt – man hilft sich gegenseitig und zwar ohne viele Worte. Vor einigen Wochen hatte ich einem Freund dabei geholfen, einige Logs, die bereits seit zwei Jahren auf seinem Block lagen, zu zerkleinern und zu splitten, als „Lohn“ einigt man sich nach getan Arbeit darauf, den Ertrag zu teilen. Ich hatte also nochmal gut einen Raummeter wunderbar trockenes Feuerholz für den Winter, aber ich musste das Problem lösen, wie ich es vom Grundstück des Freundes in meinen Shed kriegen würde. Ich fragte also Max, einen meiner Nachbarn (ca. 1 km entfernt), ob ich mir für ca. eine halbe Stunde seinen Trailer leihen könnte, überhaupt kein Problem. Also Trailer abholen, an den Wagen hängen, Holz aufladen, nach Hause fahren, Holz abladen und den Trailer wieder bei Max abgeben, natürlich nicht ohne den obligatorischen Sixpack-Bier, denn damit bedankt man sich hier im australischen Busch und natürlich wird das Bier zusammen getrunken.
Vor ca. 2 Wochen traf ich meinen Nachbarn Brian, einen wirklich unglaublich netten Menschen, der eine kleine Dackeldame besitzt. Ich hatte zwei oder drei Dinge mit ihm zu besprechen und zum Ende des Gesprächs fragte ich ihn, ob er eine Kettensäge habe. Eigentlich eine ziemlich dumme Frage, denn hier hat jeder eine, Brian hat sogar zwei. Ich habe eine elektrische, die eigentlich ihren Zweck gut erfüllt, für Baumstämme mit mehr als 50 cm Durchmesser ist sie allerdings zu schwach. Brauchst du Hilfe, fragte Brian und ich erzählte ihm, dass ich noch zwei Logs aus dem letzten Jahr bei mir auf dem Grundsrück liegen habe und ich diese noch zerkleinern müsste. Kein Problem, sagte Brian, ich komme übermorgen, dann erledigen wir das schnell. Zwei Tage später kam er dann, mit Trecker, Kettensägen und allem, was man braucht. Wir haben dann die Logs mit dem Trecker aus dem Busch gezogen, Brian hat sie gesägt, ich habe gespittet und nach 1 1/2 Stunden war der nächste Raummeter im Schuppen.
Nach getaner Arbeit setzt man sich dann auf seine Terrasse und freut sich, welche nette Menschen man in seiner Umgebung hat, das ist Australien.